Wald schützen als letzter Wille
Jeder Mensch, der hier einen Baum als Urnenbegräbnisstätte kauft, leistet einen Beitrag für die Rückkehr fast unberührter Natur.
Der Ruheforst Hümmel
Der RuheForst Hümmel macht seinem Namen alle Ehre. Außer Vogelgesang, Blätterrauschen und ab und zu leise Worte, wenn am zentralen Andachtsort eine Trauerfeier stattfindet, ist nichts zu hören. Der Wald, mitten in der Eifel und an der Nahtstelle zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gelegen, ist tatsächlich etwas, an dem man vollkommen zur Ruhe kommen kann … auch zu Lebzeiten.

An etlichen Bäumen sind – auf der vom Weg abgewandten Seite – kleine Schilder mit den Namen der Verstorbenen angebracht, deren natürlich abbaubare Urnen im Wurzelbereich versenkt wurden. Doch Grabbeigaben wie Blumenschmuck, Kerzen oder Skulpturen sucht man vergeblich, sie sind im RuheForst nicht erlaubt. Es ist ein Wald, der allmählich wieder Urwald werden darf, kein Friedhof. Und so ist auch die Stimmung: respektvolle Akzeptanz des Lebenskreislaufs, mehr ein hoffnungsvoller Anfang als Mahnung an das Ende.

Ökologische Gefüge
Förster Josef Eichler betreut und leitet den RuheForst. Er erläutert das Konzept: „Die Möglichkeit, in der natürlichen Umgebung des Waldes beigesetzt zu werden, ist für viele Menschen eine würdevolle Form des Abschieds. Ruhe, Harmonie und ein ständiger Wandel der Natur spenden Trost für Angehörige und Freunde. Entsprechend wird die letzte Ruhestätte nicht Grab, sondern RuheBiotop genannt.“ Gemeinsam mit ihm können Interessierte vor Ort auswählen, welcher Baum die letzte Ruhe beschirmt. Vom Baumriesen, der schon 200 Jahre oder älter ist, bis zum hoffnungsvoll neu ans Licht sprießenden Jungbaum ist alles möglich.

Regie führt allein die Natur.

Feine Verbindungen
Zudem werden künstliche Entwässerungsgräben wieder beseitigt, so dass mehr Niederschlag im Wald gespeichert bleibt. In der Folge fühlen sich hier seltene Vogel- und Insektenarten heimisch. Auch Amphibien wie Feuersalamander gibt es. Der RuheForst ist quicklebendig.

Eichler, der jahrelang mit Wohlleben zusammenarbeitete und viel von ihm lernte, schildert ein Aha-Erlebnis. „Es gibt im RuheForst eine uralte, sehr knorrige Buche. Wohlleben fragte mich, was ich in ihr sehe. Normalerweise begutachten wir Förster einen Baum nur nach dem Nutzwert… wie viel Geld bringen seine Festmeter bei geradem, astfreiem Wuchs? Und da taugte diese Buche höchstens als Brennholz. Aber Wohlleben machte mich darauf aufmerksam, dass sie vor allem eines ist: ein wunderschönes Lebewesen.“

Ein Moment der Ruhe
Er entlarvt auch das Argument, nur „aufgeräumte“ Wälder seien weniger brandgefährdet. Sich am Boden zersetzende Stämme und Äste sind innen schwammartig nass. „Sie sind gute Wasserspeicher, man könnte aus ihnen den Durst stillen“, sagt Eichler. Vorsichtig beseitigt er im trockenen Frühjahr mit der Hand eine Schicht gefallenen Herbstlaubs. Der Boden darunter ist dunkel und noch immer feucht. „In einer Handvoll gesundem Waldboden gibt es Milliarden Lebewesen, die ökologisch wichtig sind.“

Langsame Wege
Es ist bereits zu Lebzeiten möglich, ein RuheBiotop im RuheForst Hümmel zu erwerben. Der Kauf gilt für 99 Jahre. „Vor allem Menschen mit intensiver Bindung an Natur, Ökologie und Wald tun dies… aus einem weiten Umkreis“, schildert Eichler das Interesse. Es ist groß, so dass bald ein weiteres Areal ausgewiesen wird. Umso größer auch die Chancen für Tiere und Pflanzen, in einem zusammenhängenden Waldgebiet zu existieren. Damit zeigt sich, dass aus einem traditionellen Forst wieder echte Wildnis werden kann.
Info: Der RuheForst Hümmel besteht seit 2004 und hat eine Fläche von etwa 22 Hektar, Er wird 2026 noch einmal um etwa 8 Hektar erweitert. Für die Gemeinde Hümmel ist er ökonomisch sinnvoll. Als ländliche Kommune mit geringen Gewerbeeinnahmen ist es für eine zukunftsfähige Dorfentwicklung wichtig, positiv zu wirtschaften. Umso schöner ist es, dabei die Natur zu erhalten und zu schützen. Interessierte können jederzeit einen kostenlosen Informationstermin im Wald beim RuheForst buchen.