Verwurzelt und geheimnisvoll
Die Wälder der Eifel sind faszinierende Orte von erhabener Schönheit und unermesslicher Vielfalt. Noch heute können wir unter ihren grünen Weiten viele Spuren ihrer wechselvollen Vergangenheit erkunden.
Wald prägt die Eifel: Der Eifelwald ist ein fester Bestandteil der Landschaftsgeschichte der Region. Von den Tundravegetationen am Ende der Eiszeit über die Ausbreitung der Bäume bis hin zur industriellen Nutzung und den Folgen für den Wald - die Geschichte ist geprägt von Veränderungen. Ausbeutung, besonders durch die Eisenindustrie, landwirtschaftliche Nutzung und Überweidung, führten zu einem Niedergang der Eifelwälder bis an die Grenze der Vernichtung. Erst mit staatlichen Aufforstungsmaßnahmen und dem Aufkommen der Lohewälder begann die Regeneration des Eifelwaldes. Heute sind zwei Drittel der Wälder Nadelholz, ein Drittel Laubholz. Die Einstellung zum Wald hat sich im Laufe der Geschichte gewandelt. Von einer reinen Ressource über einen Arbeitsplatz ist er heute Erholungs- und Schutzraum für Mensch und Natur.
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Die Wälder waren und sind für die Menschen, die mit und von ihnen leben, schon immer von großer Bedeutung. Die Kelten verehrten den Wald als heiligen Ort und nutzen ihn zur Beschaffung von Nahrung, Baustoffen und Medizin. Auch die Römer schätzten den Wald als Ressource. Im Mittelalter waren sie als Nutzwälder von großem Wert, um den Bedarf an Holz und anderen unter ihnen schlummernden Rohstoffen zu decken. Heute dienen die Wälder verstärkt als Erholungsräume und wertvolle Biotope, die Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten bieten. Ein besonderer Schutzraum ist der Nationalpark Eifel, wo auf einer Fläche von 110 Quadratkilometern der Urwald von morgen entsteht.
Flammender Rohstoff für eine wirtschaftliche Blütezeit![]()
Vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit spielte die Eisenerzeugung in der Eifel eine bedeutende Rolle. Zum Schmelzen des hier gewonnenen Eisenerzes wurde über Jahrhunderte reichlich Holzkohle benötigt.
Das Treiben in den Wäldern und in den Hüttenwerken hatte wenig mit heutiger Waldromantik zu tun: Großflächig wurden Waldlandschaften gerodet und die Holzkohlemeiler qualmten dunklen Ruß in die Luft. Die Köhler lebten oft in den Wäldern und wurden wegen ihrer staubigen Arbeit "schwarze Männer" genannt.
Am Rande des Nationalparks Eifel wird diese alte Tradition an manchen Tagen wieder zum Leben erweckt. In einem alten Eichenbestand bei Heimbach-Düttling wird Mitte Mai ein historischer Holzkohlemeiler aufgebaut und verkohlt. Er zählt heute zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
Lohe aus Eifelwäldern fürs Leder-Gerben![]()
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in vielen Eifelstädtchen Gerbereien, die aus Tierfellen hochwertiges Leder herstellten. Das Eifeler Qualitätsleder war begehrt und fand Absatz bis in weit entlegene Handelsorte. Neben dem guten Wasser war die so genannte Lohe zum Gerben in der Eifel von besonderer Güte. Hierzu wurde die Rinde von jungen, glatten Eichen und Fichten abgeschält. Die verwendeten Bestandteile wurden dann in Lohmühlen gemahlen.
Da die Eichen von den Wurzelstöcken heraus neu austrieben, entwickelten sich durch die Lohwirtschaft die markanten Eichen-Niederwälder – auch Lohhecken genannt. Die Gewinnung und Verarbeitung der Lohe war für die Eifel-Bewohner über Jahrhunderte ein bedeutender Erwerbszweig.
In den Leder- und Tuchmacherstädtchen Bad Münstereifel und Monschau findet man viele Spuren dieser wirtschaftlichen Blütezeit. Auch der Wanderweg Nat'Our Route 2 im Süden der Eifel erinnert an die Mühlen und Lohwälder in der Region.
Viehzucht im Eifel-Wald
Vom Salmwald im östlichen Teil der Eifel weiß man, dass vom ausgehenden Mittelalter bis zur Preußenzeit die Viehzüchter Rinder und Schweine in den Wald trieben. In einer Schlucht bei Ernzen, weiter im Süden der Eifel, mit dem Namen „Schweineställe“ können Wanderer des Felsenweg 6 - Teufelsschlucht sich davon noch eine bildliche Vorstellung machen: Der Bildhauer Roland Michel erschuf ein Werk mit zwei sich räkelnden Schweinen auf dem Boden. Sie erinnern daran, wie in früheren Zeiten die Schweinehirten ihre Herden in die Wälder trieben, wo sie Eicheln und Bucheckern fressen konnten.
Die Schlucht inmitten des Waldes mit den engen, leicht verschließbaren Zugängen war möglicherweise ein beliebter Weideplatz – sozusagen ein "Schweinestall".
Nationalpark als Lebensraum für Flora und Fauna![]()
Auf 110 Quadratkilometern bietet der Nationalpark Eifel über 11.300 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten ein zu Hause. 2.589 Arten davon stehen auf der Roten Liste und gelten als gefährdet oder sind gar vom Aussterben bedroht. Sie sind besonders auf die Lebensbedingungen in diesem Großschutzgebiet im Norden der Eifel angewiesen. In dem hier entstehenden „Urwald von morgen“ wird die Natur sich weitestgehend selbst überlassen. Bis sie sich allerdings in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt hat, darf der Mensch diesen Prozess noch bis 2034 auf dem Weg zu seinem natürlichen Gleichgewicht unterstützen. Davon kann man sich vor Ort hautnah überzeugen: Anhand von Erkundungstouren – auf Wunsch mit Ranger-Führung, bei Workshops, Ausstellungen oder einer der weiteren zahlreichen Veranstaltungen im Jahresverlauf.
Entspannung im Eifel Wald![]()
Nimm dir Zeit, im Wald zur Ruhe zu kommen. Besonders beeindruckend sind die gesundheitlichen Vorteile des sogenannten Waldbadens, einer Praxis, die in Japan als Shinrin Yoku bekannt ist. Beim Waldbaden werden alle Sinne aktiviert, indem man bewusst die natürliche Umgebung auf sich wirken lässt - mit nachweislich positiven Effekten auf das Immunsystem, den Blutdruck und die Herzfrequenz.
Auch körperlich tut uns ein Waldspaziergang gut. Das sanfte Auf und Ab der Wege trainiert unsere Muskeln und verbessert die Ausdauer. Durch das Einatmen der frischen Luft werden unsere Lungen gestärkt und unser gesamtes Körpersystem unterstützt. Zudem sind Spaziergänge im Wald eine effektive Methode, um abzuschalten, den Alltagsstress hinter sich zu lassen und neue Energie zu tanken. In den Hochseilgärten und Kletterparks der Eifel, beim Ziplining oder ganz entspannt bei einer Übernachtung in einem Baumzelt, kommt man besonders nah ans grüne Blätterdach.
Wenn du also das nächste Mal gestresst bist oder einfach eine Auszeit vom Alltag brauchst, schnüre doch deine Wanderschuhe und mach dich auf den Weg in den Wald. Genieße die Stille, lausche dem Rauschen der Blätter über dir und spüre die beruhigende Wirkung der Natur.